Rückblick: Veranstaltung „Vielfalt beruflicher Wege für junge Menschen mit Handicap“ am 19.05.2016 in Annaberg

Am Donnerstag, dem 19. Mai 2016 fand die Fachveranstaltung „Vielfalt beruflicher Wege für Menschen mit Handicap“ in Annaberg-Buchholz statt. Sie wurde im Rahmen des 25jährigen Jubiläums der Brünlasbergschule Aue in Kooperation mit dem Sozialen Förderwerk e. V. organisiert. Ziel war es, dem interessierten Publikum die individuellen Wahlmöglichkeiten der beruflichen Integration anhand positiver Beispiele zu zeigen. Der Einladung folgten neben Vertretern von Leistungsträgern auch betriebliche und außerbetriebliche Partner sowie Eltern.


Vier Experten bereiteten die Veranstaltung vor und führten engagiert durch das Programm. Sie bildeten sich im Rahmen des Projektes „Karriereplanung inklusive“ zum Arbeitsexperten weiter. In Vorbereitung der Veranstaltung wurden folgende Themen diskutiert:

  • Arbeit für Menschen mit Handicap
  • Persönliche Berufswege – Biografiearbeit
  • Was bedeutet „gute“ Arbeit?
  • Wer kann mich unterstützen, um meine Ziele zu realisieren?

Außerdem lernten sie, sich selbst und ihre beruflichen Wege zu präsentieren.


Nach einem Grußwort des Schulleiters der Brünlasbergschule Aue Herrn Dr. Peter, standen die vielfältigen Wahlmöglichkeiten für junge Menschen nach dem Ende ihrer Schulzeit im Fokus. Jörg Bungart, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Unterstützte Beschäftigung (BAG UB), stellte sehr anschaulich die Vielfalt beruflicher Wege dar und beantwortete im Nachgang individuelle Fragen.

Im Anschluss erzählten die Arbeitsexperten lebendig und emotional, welche Wege sie gegangen sind und wer sie dabei aktiv unterstützte.
Aus diesen Erzählungen wurde deutlich, welche unterschiedlichen Ziele und Wünsche Menschen mit und ohne Handicap haben.
Diese Vielfalt bedarf einer individuellen Betrachtungsweise, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht. Auch das Publikum wurde eingeladen, sich am Gespräch zu beteiligen und die Kompetenz der Experten zu nutzen.
Bei gemeinsamen Kaffee und Kuchen wurde rege diskutiert und sich weiter informiert.

Foto der VeranstaltungFoto der VeranstaltungFoto der Veranstaltung

Frisch gekürte Arbeitsexperten

Von links nach rechts:  Herr Höllfritsch und Steffi Ruf (Kinderhaus Nürnberg), Frau Persich und Manuela Erlbacher (Erler Klinik), zwei Mitarbeiter/innen von ACCESS, Manuel Reiter (Fa. Sontheimer), Christine Leheis (Reitstall Marienberg), Lesley-Ann Graf mit Herrn und Frau Imhof (Bäckerei Imhof) und Tiago Graf (Fa. Psyma. )
Von links nach rechts: Herr Höllfritsch und Steffi Ruf (Kinderhaus Nürnberg), Frau Persich und Manuela Erlbacher (Erler Klinik), zwei Mitarbeiter/innen von ACCESS, Manuel Reiter (Fa. Sontheimer), Christine Leheis (Reitstall Marienberg), Lesley-Ann Graf mit Herrn und Frau Imhof (Bäckerei Imhof) und Tiago Graf (Fa. Psyma. )

Menschen mit Behinderung als Mutmacher bei der beruflichen Inklusion.  

„Als Arbeitsexperte kann ich anderen Menschen mit Behinderung, Arbeitgebern und auch Fachleuten erklären, dass wir sehr gut im ersten Arbeitsmarkt arbeiten können“ berichtet Tiago Graf stolz.  Der junge Mann hat das Down-Syndrom und arbeitet regulär angestellt als Bürohelfer in einem Unternehmen in Lauf. Unterstützt wurde er auf seinem Weg in Arbeit von der gemeinnützigen  ACCESS-Integrationsbegleitung, die Menschen mit Behinderung hilft, im Arbeitsleben Fuß zu fassen. Mehr als 500 Menschen mit Handicap, davon viele  Menschen mit sog. Lernschwierigkeiten,  konnten in den letzten Jahren nachhaltig in den ersten Arbeitsmarkt in enger Zusammenarbeit mit aufgeschlossenen Arbeitgebern in der Region integriert werden. Ziel erreicht - könnte man meinen. Doch weit gefehlt, denn die Mitarbeitenden von ACCESS erkannten immer wieder, wie wenig Angebote an berufsbegleitenden Weiterbildungen es gibt, die für den Personenkreis verständlich sind. Während es für andere Arbeitnehmer ohne Probleme möglich ist, sich beruflich weiter zu bilden, scheitert eine Weiterbildung bei Menschen mit Lernschwierigkeiten oft an den hohen kognitiven Anforderungen. Ohne entsprechende Unterstützung können sie kaum mit anderen Fortbildungsteilnehmern Schritt halten. So entstand die Idee, ein eigenes Projekt zu beantragen mit dem Namen „Karriereplanung Inklusive“, finanziert aus Mitteln der Ausgleichsabgabe.  

Die Bildungscoaches Sandra Neu und Björn Ballbach von ACCESS bieten in dem Projekt drei verschiedene berufsbegleitende Dienstleistungen an. Die Weiterbildung zum Arbeitsexperten, eine Fortbildungsreihe „Fit im Job“ und die Begleitung bei individuellen Weiterbildungen bei regulären Fortbildungsanbietern.

Die erste Weiterbildung zum Arbeitsexperten begann im September 2015 und endete im Januar 2016. In fünf verschiedenen Modulen setzen sich die Teilnehmer/innen mit ihrem eigenen beruflichen Werdegang auseinander, reflektierten anhand ihrer eigenen Geschichte Erfolgsfaktoren, aber auch schwierige Momente und was ihnen geholfen hat. Sie setzten sich damit auseinander, was es bedeutet ein Arbeitsexperte zu sein und wie sie andere motivieren können, an sich zu glauben und Unterstützung anzunehmen. Stimmtraining und das Sprechen vor Gruppen rundeten die Fortbildung ab. Der Einsatz hat sich gelohnt, erste Erfahrungen als Arbeitsexperte konnten bereits gewonnen werden. So fuhren drei Arbeitsexperten mit ihrem Bildungscoach nach Baden-Württemberg und gestalteten einen 3stündigen Workshop mit Fachkräften der beruflichen Inklusion. Redegewandt und souverän beeindruckten sie ihr Publikum und bekamen sehr gute Rückmeldungen zu ihrem gelungenen Auftritt. Demnächst steht der nächste Auftrag an: Mitarbeitende einer Bank haben sich zum Perspektivenwechsel angemeldet und werden einen Tag bei verschiedenen Arbeitsexperten in deren Betrieb hospitieren, um die Aufgabenbereiche der Arbeitsexperten  kennenzulernen und sich über deren beruflichen Weg zu informieren.  Möglich ist das nur, weil auch die Arbeitgeber der Arbeitsexperten offen sind für die Inklusionsidee und ihre betrieblichen Türen öffnen. Und nicht nur das: Das besondere Interesse wurde auch bei der Abschlussveranstaltung deutlich. Ist es doch nicht selbstverständlich, dass Arbeitgeber zur Zertifikatsübergabe ihrer Mitarbeiter kommen, statt den wohlverdienten Feierabend zu genießen. Die frisch gekürten Arbeitsexperten waren umso stolzer und bekräftigten, dass sie durch die Weiterbildung mehr Selbstbewusstsein bekommen hätten und nebenbei bei den verschiedenen Modulen auch noch jede Menge Spaß hatten.  

Der zweite Dienstleistungsbereich von „Karriereplanung Inklusive“  ist die Fortbildungsreihe „Fit im Job“. Insgesamt 11 Teilnehmer/innen mit Behinderung, die bereits seit vielen Jahren im ersten Arbeitsmarkt beschäftigt sind,  setzten sich berufsbegleitend mit ihren sozialen Kompetenzen auseinander und entwickelten diese weiter. Sie erfuhren, was gute Kommunikation bedeutet, wie mit Konflikten lösungsorientiert umgegangen werden kann und lernten verschiedene Stressbewältigungsstrategien kennen.  

Die dritte Säule von „Karriereplanung Inklusive“ bietet individuelle Fortbildungen an. Diese finden bei regulären Weiterbildungsanbietern statt und werden eng durch  Bildungscoaches begleitet. Referenten werden z. B. für die behinderungsbedingten Bedarfe sensibilisiert, die Bildungscoaches können – sofern es erforderlich ist - während der gesamten Fortbildung anwesend sein und den Lernstoff in einfache Sprache übersetzen und nachhaltig reflektieren.  Auch der Praxistransfer in den Betrieb wird durch die enge Zusammenarbeit mit den Betrieben gewährleistet. So konnte z. B. ein Teilnehmer ein Verkaufstraining absolvieren und so seine Kompetenzen in diesem Bereich erheblich steigern.

Sowohl die Teilnehmenden an der Reihe „Fit im Job“ als auch die „Arbeitsexperten“ haben die Weiterbildung in ihrer Freizeit absolviert. Wer jetzt noch denkt, dass Menschen mit Behinderung weniger motiviert und nicht einsatzbereit sind, wird spätestens jetzt eines Besseren belehrt.

Der Fachdienst ACCESS Integrationsbegleitung gGmbH mit Sitz in Erlangen, Nürnberg und Bamberg würde sich sehr über Spenden freuen, damit die Arbeitsexperten zukünftig für ihre tolle ehrenamtliche Arbeit eine kleine Aufwandsentschädigung erhalten könnten. Spenden bitte an Sparkasse Erlangen: IBAN: DE 41 7635 0000 0051 00 7777, BIC BYLADEM 1ERH.

"Mehr Teilhabe braucht mehr und andere Weiterbildung"

Jena (kobinet) Barbara Vieweg vom Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) leitet das Projekt Karriereplanung inklusvie. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Barbara Vieweg angesichts einer Studie der Bertelsmann Stiftung zur Weiterbildung über die Ziele und Aktivitäten des Projektes.

kobinet-nachrichten: Die Bertelsmann Stiftung hat kürzlich eine Studie zum Thema Weiterbildung in Deutschland mit dem Fazit "Mehr Teilhabe braucht mehr und andere Weiterbildung" veröffentlicht. Sie leiten zurzeit das Modellprojekt "Karriereplanung inklusive", das Menschen mit Behinderungen den Zugang zu berufsbezogenen Weiterbildungen öffnen will. Die Studie kommt für Sie zur richtigen Zeit?

Barbara Vieweg: Ja auf alle Fälle, wir haben Sie mit großem Interesse gelesen. In unserem Projekt wollen wir Beschäftigte mit einer Schwerbehinderung, die meist Anlerntätigkeiten ausüben, darin unterstützen an Weiterbildungen teilzunehmen. Unser Angebot richtet sich aber auch an Arbeitgeber, die Menschen mit Behinderung beschäftigen und Anbieter von Weiterbildungen, die sich dieser Beschäftigtengruppe zuwenden wollen.

kobinet-nachrichten: Welche Erkenntnisse und Erfahrungen haben Sie im Projekt bisher sammeln können?

Barbara Vieweg: Im Frühjahr hat unser Projektpartner BAG Unterstützte Beschäftigung schwerbehinderte Beschäftigte, Arbeitgeber und Weiterbildungsanbieter befragt. Es besteht eine große Aufgeschlossenheit gegenüber der Notwendigkeit von beruflichen Weiterbildungen. Oft fehlen jedoch die passenden Angebote und die erforderliche Unterstützung. Deutlich wird dies auch daran, dass gerade die Weiterbildungsanbieter nur geringe Erfahrungen auf dem Gebiet der Barrierefreiheit besitzen, wobei hier die bauliche Erreichbarkeit nur den allerersten Anfang bildet.

Die ersten Erfahrungsberichte von Beschäftigten, die mit Unterstützung der Projektmitarbeiter*innen an Weiterbildungen teilgenommen haben, zeigt wie wichtig diese Bildungsmöglichkeit ist und wie viel Freude es bereitet sich weiterzubilden.

kobinet-nachrichten: Die Bertelsmann Studie zeigt auf, dass gerade Geringqualifiizierte und atypisch Beschäftigte nur selten an Weiterbildungen teilnehmen. Ihr Projekt wendet sich vor allem an Menschen mit Behinderungen, die auf passgenauen Arbeitsplätzen beschäftigt sind. Häufig handelt es sich dabei um Anlerntätigkeiten. Wie stellt sich aus Sicht dieser Personengruppe die Frage von Weiterbildungen dar?

Barbara Vieweg: Die Bertelsmann Studie zeigt deutlich, dass gerade Personen, die nur wenig verdienen und gering qualifiziert sind, selten an Weiterbildungen teilnehmen. Für viele ist es bereits ein großer Erfolg, überhaupt eine Stelle auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gefunden zu haben. Um diesen Arbeitsplatz aber auch behalten zu können oder sich vielleicht auf eine andere Tätigkeit zu bewerben, braucht es den Zuwachs an Wissen, den Weiterbildungen bieten. Für unsere Personengruppe ist es vor allem erforderlich, dass die allgemeinen Weiterbildungsangebote sich auf ihre individuellen Lernbedürfnisse einstellen.

kobinet-nachrichten: Die Studie hebt die Bedeutung von Bildungsberatung hervor, sie haben im Projekt ein Curriculum zur Qualifizierung von Bildungscoaches entwickelt und wollen ab 2016 mit dem Weiterbildungsangebot starten.

Barbara Vieweg: Ja das bestätigt unseren Ansatz im Projekt. Wir haben das Tätigkeitsprofil eines Bildungscoaches entwickelt. In der Studie heißt es: "Daher ist es wichtig, mittels einer aktiven und aufsuchenden Bildungsberatung Informationen über die berufliche Verwertbarkeit verschiedener Weiterbildungsoptionen, über Finanzierungsmöglichkeiten und über konkrete Anbieter und Angebote dorthin zu bringen, wo die Menschen auch leben und arbeiten." Genau dieses wird zu den Aufgaben des Bildungscoaches gehören, zugeschnitten auf die besonderen Unterstützungsbedarfe, die Menschen mit Behinderungen, insbesondere mit Lernschwierigkeiten haben.

kobinet-nachrichten: Lebenslanges Lernen bezieht sich ja nicht nur auf die unmittelbare berufliche Tätigkeit, wie sind hier Ihre Erfahrungen?

Barbara Vieweg: Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass Menschen mit Behinderungen nicht nur an unmittelbar den Arbeitsplatz betreffenden Weiterbildungen teilnehmen, sondern ihre Kompetenzen ganzheitlich erweitern. In der Studie heißt es dazu: "Hierbei ist es wichtig, nicht defizitär von einem gerade akut zu besetzenden Stellenprofil auszugehen, sondern ressourcenorientiert den Blick auf die Stärken und Potenziale des Einzelnen zu richten."

Diese Einschätzung teilen wir und wollen aus diesem Grund auch ergänzende Weiterbildungsangebote selbst entwickeln. Berufsrelevant ist zum Beispiel auch die Gestaltung eines Lebens mit Behinderung, die Fähigkeit sich gegen Widerstände durchsetzen zu können und die eigenen Interessen zu vertreten.

kobinet-nachrichten: Unter dem Stichwort Industrie 4.0 werden immer höhere Ansprüche an die Kompetenzen der Beschäftigten gestellt. Menschen mit Lernschwierigkeiten arbeiten jedoch häufig in geringqualifizierten Stellen. Hat diese Art der Tätigkeit überhaupt eine Zukunft?

Barbara Vieweg: Hier dürfen wir nicht zu schnell urteilen. Es wird weiterhin Arbeitsfelder geben – vor allem im Dienstleistungsbereich – die nicht in erster Linie von Technik bestimmt werden. Und bezogen auf Bildung bzw. Weiterbildung müssen auch Wege eröffnet werden, wie Personen auf Anlerntätigkeiten im Rahmen ihrer individuellen Möglichkeiten dem Umgang mit Technik, Computer und dergleichen erlernen können.

kobinet-nachrichten: Danke für das Interview und viel Erfolg und gute Weiterbildungen für 2016. 

Weitere Informationen unter: www.karriereplanung-inklusive.de

Die Bertelsmann Studie kann nachgelesen werden unter:

http://www.bertelsmann-stiftung.de/weiterbildungsfinanzierung

Quelle: http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/32834/Karriereplanung-inklusive.htm/?search=vieweg

Fachgespräch: „Weiterbildung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Behinderungen und besonderem Unterstützungsbedarf"

Bild vom Fachgespräch in Chemnitz
Bild vom Fachgespräch in Chemnitz

Am 23. November 2015 fand im Rahmen des Projektes „Karriereplanung inklusive“ ein Fachgespräch zum Thema Weiterbildung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Behinderungen und besonderem Unterstützungsbedarf unter der Schirmherrschaft der Behindertenbeauftragten der Stadt Chemnitz - Petra Liebetrau - statt. Eingeladen hatte das Soziale Förderwerk e.V. als einer der fünf Projektpartner.

Berufsbegleitende Weiterbildungen sind gerade für die Regionen Chemnitz, Mittelsachsen und Erzgebirgskreis ein wichtiges Instrument zur Fachkräftesicherung. Auch für eine nachhaltige Beschäftigung von Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ist die erfolgreiche Teilnahme an Weiterbildungen eine zwingende Voraussetzung. Gleichzeitig partizipiert gerade diese Zielgruppe verhältnismäßig wenig an Qualifizierungen. Das Weiterbildungssystem ist auf die unterschiedlichen Bedarfe kaum eingestellt. Mit dem Projekt sollen erste Schritte unternommen werden, den Zugang von Menschen mit Behinderung und besonderem Unterstützungsbedarf zum beruflichen (Weiter-) Bildungssystem zu öffnen.

Die Weichen hierfür wurden mit dem Fachgespräch gestellt. Vertreter von Bildungsanbietern, den Kammern, Arbeitgeberverbänden, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband sowie dem Kommunalen Sozialverband Sachsen diskutierten gemeinsam über Chancen und Möglichkeiten, die mit dem Projekt verbunden sind. Neben der gemeinsamen Vernetzung aller Akteure, fand auch ein gegenseitiger Erfahrungsaustausch statt.

Hier wurde nochmals deutlich, dass Ziel des Projektes nicht der Aufbau von Doppelstrukturen sein soll, sondern ein ineinandergreifendes Netzwerk, das auf der Expertise des jeweils anderen aufbauen kann. Dazu wurden im Nachgang des Gespräches unter anderem Termine gemeinsamer Öffentlichkeitsarbeit abgestimmt.

In der Diskussion spielte ebenso das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle. Petra Liebetrau wünschte sich eine Verstetigung des Projektanliegens auch über die eigentliche Projektlaufzeit hinaus, denn nur so können Arbeitgeber dauerhaft für das Thema Weiterbildung sensibilisiert werden und man wecke keine unerfüllbaren Erwartungen. Dieses Anliegen wurden von allen geteilt und soll verstärkt noch mit in die Projektarbeit einbezogen werden.

Im Ausgang der Veranstaltung bekundeten alle Anwesenden die Absicht, das Thema Weiterbildungen für schwerbehinderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verstärkt noch einmal in die Öffentlichkeit, zu ihren Arbeitgebern bzw. Mitgliederorganisationen tragen zu wollen und somit die Projektidee zu vervielfältigen.

Nürnberg (Access gGmbH): 07.09.2015

Nürnberg (Access gGmbH): Am 07.09.2015 ging die Weiterbildungsreihe „Fit im Job“ an den Start. Die Inhalte wurden im Rahmen des Projekts „Karriereplanung Inklusive“ von Christoph Jahn, Björn Ballbach und Sandra Neu entwickelt . Insgesamt nehmen 10 unterstützte ArbeitnehmerInnen, die mit Hilfe von Access erfolgreich auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten, an der Weiterbildungsreihe teil. Alle SeminarteilnehmerInnen haben den Übergang in sozialversicherungspflichtige Arbeit  aus der WfbM oder aus der Maßnahme Unterstützte Beschäftigung geschafft. Die ArbeitnehmerInnen arbeiten in den verschiedensten Branchen wie z.B. im Bürobereich, in der Produktion/Montage oder in der Küche, die meisten Teil- einige Vollzeit. Für die Weiterbildungsreihe investieren die ArbeitnehmerInnen ihre Freizeit oder verschieben ihre Schichten, um daran teilnehmen zu können. Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Bundesausgleichsfonds.

In der Weiterbildungsreihe „Fit im Job“ setzen sich die TeilnehmerInnen z. B. mit Selbst- und Fremdwahrnehmung, mit Kundenkontakt, Umgang mit Konflikten, ihrer ArbeitnehmerInnen-Rolle und Stressbewältigungsstrategien auseinander. Ziel ist es, dass die TeilnehmerInnen in ihrer Rolle als ArbeitnehmerInnen mehr Sicherheit gewinnen und mit schwierigen Situationen besser umgehen können. Bei der Festsetzung der Tehmen wurden die Teilnehmer/innen einbezogen.

Die TeilnehmerInnen haben bislang drei Schulungsmodule absolviert. Die Resonanz ist  eindeutig positiv. So berichtet z.B. Carina S.: (25 Jahre, Bürokraft in einer Klinik): „Die Themen haben mir super gefallen, weil es sehr interessant war. Es hilft mir weiter“.

Neben der Fortbildungsreihe „Fit im Job“ gibt es im Rahmen des Projekts bei ACCESS noch eine Ausbildung zum Arbeitsexperten. Darüber hinaus werden vermittelte TeilnehmerInnen unterstützt, berufliche Fortbildungen anzugehen. Sie werden dabei von sog. Bildungscoaches begleitet.